Edward "Lloyd" - ein Name wird zum Begriff

Christian Biedekarken

Im 18. Jahrhundert wurde in Schiffahrtskreisen ein Name auf den Britischen Inseln immer wieder genannt. Der Mann, dessen Familienname später weltberühmt wurde, hieß Edward Lloyd. Im Jahre 1688 eröffnete er am Londoner Themseufer in der Towerstreet eines der zu der Zeit gerade in Mode gekommenen Kaffeehäuser, was nicht heißen musste, dass weder er noch seine Gäste sich der Abstinenz verschrieben hatten. In den Kellerräumen des Lokals wurden Getränke für harte Männer, im Wesentlichen wohl Rum und Arrak den Gästen angeboten. Die Lage von "Lloyd’s Coffee House" war sicherlich ausschlaggebend, dass sich hier vorwiegend Kapitäne, Reeder, Ladungsinteressenten sowie Versicherer trafen. Diesen Herren, die sich dem Handel und Transport von Waren verschrieben hatten, bot Edward Lloyd - neben leiblichen Genüssen - einen speziellen Service. Das große Interesse seiner Kundschaft nach Schiffspositionen veranlasste ihn, Segellisten und Ähnliches zu veröffentlichen. Sein Interesse galt im Besonderen den Seeleuten, deren Post er in Empfang nahm, und für die er kleinere Geschäfte erledigte. Edward Lloyd sammelte zusätzlich Schiffsnachrichten aus aller Welt, um sie am schwarzen Brett seiner Gaststätte zu veröffentlichen. 1691 verlegte er seine Gaststätte vom Hafen in die Lombard Street, was ihm den Verlust einiger Stammtische von Kapitänen und Hafenleuten - auf der anderen Seite aber den Gewinn der Kundschaft einflussreicher Kreise der Reeder, Schiffsmakler und Versicherer einbrachte. Hier begann die Entwicklung dieses Kaffeehauses zum größten Versicherungsmarkt der Welt.

Nachdem der Kundenkreis immer umfassender wurde, entschloss er sich 1696 ein wöchentlich erscheinendes Handelsblatt "Lloyd’s News" herauszugeben, welches aber wohl wegen politischer Unvorsichtigkeit am 23. Februar 1697 mit der Nummer 76 wieder eingestellt wurde. Hier ist anzumerken, dass 1641 John Milton in einer Parlamentsrede zum ersten Male in der Neuzeit die Forderung nach Pressefreiheit stellte. Die sogenannte "Licensing Act", welche die Zensurbestimmungen in Großbritannien regelte, bestand jedoch weiter und wurde erst im Jahre 1695 durch das Parlament nicht mehr erneuert. Erst jetzt konnte die Presse beginnen, sich zu entfalten. So erklärt es sich, dass mit Beginn des 18. Jahrhunderts die Zeitungsgründungen auf den Britischen Inseln erfolgten. "Lloyd’s News" kann also für sich in Anspruch nehmen, die älteste Zeitung Londons zu sein.

Die Geburtsstunde von "Lloyd’s List" hat Edward Lloyd nicht mehr erleben dürfen. Nach seinem Tod 1713 kam es zu häufigem Besitzerwechsel des Kaffeehauses. Im April 1734 erschien die erste Ausgabe von "Lloyd’s List", herausgegeben von Richard Baker, dem damaligen Inhaber von "Lloyd’s". "Lloyd’s List" diente hauptsächlich den Schiffahrtsinteressen, namentlich dem Versicherungswesen, dessen Vertreter "Lloyds Rooms" zum Mittelpunkt ihrer Geschäfte machten. Es hängt mit der Eigenart des Seeversicherungsgeschäftes zusammen, dass Reeder, Assekuradeure und Makler (die "Underwriters") sich regelmäßig an ihren Stammtischen bei Lloyd’s trafen. 1760 entstand ein weiteres Unternehmen des Kaffeehauses, das "Lloyd’s Register of Shipping", welches den Nachrichtendienst der Gaststätte übernahm. In diesem jährlich erscheinenden Buch wurden alle britischen und später auch fremde Schiffe aufgeführt. Neben technischen Daten, Namen und Dienstalter des Kapitäns enthielt das Register eine Güteformel für das Schiff. Damit legte man die durch Fachleute ermittelte Qualität des Versicherungsobjektes treuhänderisch fest. Es entfiel die persönliche Inaugenscheinnahme des Versicherers. Er brauchte sich fortan nicht mehr persönlich an Bord von der Qualität des Objektes sowie des Schiffsführers zu überzeugen. Er schlug jetzt im Schiffsregister nach und war im Bilde. Die damals eingeführte höchste Güteformel bei Lloyd’s "1 A" ist noch heute ein Qualitätsbegriff in unserem Wortschatz.

1774 wurden Lloyd’s für würdig befunden, das "Coffee House" in die "Royal Exchange" - die königlich Börse - zu verlegen. Damit war der Gaststätte der Start zum Weltunternehmen geglückt. Durch die staatliche "Incorporation" bekam sie im Jahre1871 die öffentlich Weihe. Seinen großartigen Ruf verdankt Lloyd’s neben der Präzision seines Nachrichtendienstes, der schnellen Geschäftabwicklung und der anerkannten Seriosität der innerhalb der Organisation sitzenden Einzelfirmen. Noch immer schließen diese sehr sorgfältig ausgesuchten "Underwriters", die Unterschreiber der Police, die Versicherung ab, nicht Lloyd’s selbst.

Weltweit ist der Name "Lloyd" zum Begriff geworden. Handelsunternehmen, Versicherungen, Reedereien usw. profitieren noch heute von der Seriosität dieses Namens.

Quellen: Dr. Arnold Rehm, Der Name "Lloyd"

Dr. Christine Reinke-Kunze, 250 Jahre Lloyd’s List

 

 

Fast 42 Jahre, zunächst als "PASTEUR", dann als "BREMEN", danach als "REGINA MAGNA", 

gefolgt von "SAUDIPHIL 1", bis zu ihrem Untergang als "FILIPINAS SAUDIA 1" bei Llloyd's in London versichert.

                                                                                                       

Ihr Leben beginnt 1939 als PASTEUR in St. Nazaire. Kurz nach der Übergabe an die Cie.de Nav. Sudatlantique, Bordeaux wird ihr die ehrenvolle Aufgabe zuteil, den Goldschatz der französischen Nationalbank nach Halifax (Kanada) zu bringen, um ihn vor dem Zugriff der deutschen Besatzer zu retten. An Stelle der vorgesehenen 750 Passagiere werden ab 1940, jetzt unter britische Flagge, 4000 US Soldaten über den Atlantik gebracht. Für das Vaterland wird ihre Luxusausstattung geopfert. 1946 wird sie an Frankreich zurückgegeben und erhält als einziges Schiff der Welt das Kreuz der französischen Ehrenlegion. Der Krieg in Indochina und auch die Suez-Krise 1956 sorgen für weitere Truppentransporte. Im Juli 1956 wird das Schiff in Brest aufgelegt und zum Verkauf angeboten.

 

August 1958 kauft der Norddeutsche Lloyd in Bremen den Auflieger und lässt das Schiff beim Bremer Vulkan umbauen. Mit dem 9.Juli 1959 nimmt wieder ein Flaggschiff der Lloyd-Flotte unter dem Traditionsnamen BREMEN (5) seinen Dienst im Nordatlantikverkehr auf. Mit diesem schwimmenden 5- Sterne-Hotel gelingt es dem NDL, an seine legendären Atlantikliner anzuknüpfen. In einem Prospekt preist man das 300köpfige Servicepersonal mit den Worten an: "Sie haben nur eines im Sinn,  dem Passagier ein Schlaraffenland auf See zu bieten". 

 

1972 wird die BREMEN nach Griechenland verkauft. Sie erhällt den Namen REGINA MAGNA und wird schon 1974 in Piräus aufgelegt. 1977 wird der Liner auf den Namen SAUDIPHIL 1 getauft und macht in Djeddah als Hotelschiff fest. Als Luxushotel taugt das inzwischen stark ramponierte Schiff nicht mehr und dient nun philippinischen Gastarbeitern als schwimmende Herberge. Im Frühjahr 1980 kauft eine taiwanesische Abbruchfirma das verwahrloste Schiff zum Schrottwert von nahezu 6 Millionen Mark. 

 

Im Juni 1980 tritt das Schiff seine letzte Reise unter dem Namen FILIPINAS SAUDIA 1 an. Ein holländischer Schlepper nimmt das Schiff auf den Haken, um es von Saudi-Arabien nach Kaohsiung zum Abwracken zu schleppen. Nach fünf Tagen Fahrt im Indischen Ozean bei südwestlichen Winden der Stärke 9 und mehr, bekommt das Schiff am 6.Juni plötzlich fünf Grad Backbord-Schlagseite. Am nächsten Tag sind es schon zwölf Grad und am Morgen des 8.Juni hat die Schlagseite sich fast verdoppelt. Der Schlepper schmeißt die Trossen los, um nicht mit auf den 3000 m tiefen Meeresgrund gezogen zu werden. So, als bereite sich der 32.000-Tonner auf einen würdigen Untergang vor, liegt das Schiff noch eine Nacht lang auf der Seite um dann am folgenden Morgen, dem 9.Juni, sich noch einmal aufzubäumen. Bebend und dröhnend unter dem Ausstoß einer gewaltigen Rußwolke aus dem Schornstein laufen die Wellen um 8.47 Uhr über diesem Schiff zusammen.  Bei Lloyd's wird die Glocke angeschlagen und man geht davon aus, dass das Schiff wegen undichter Seeventile gesunken ist. Am 15.September 1980 kommt es zur Auszahlung der Versicherungssumme für den Totalverlust  und die Akte dieses Schiffes - und seiner fast 42jährigen bewegten Geschichte - wird damit geschlossen.

 

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