Strandung des Fischdampfers "Friedrich Albert"

Seeamtsverhandlung vor dem Seeamt in Bremerhaven über die Strandung des Fischdampfers "Friedrich Albert" am 19.01.1903 vor Kap Portland an der Südspitze Islands.

"Friedrich Albert", Baujahr 1898, Reederei: Geestemünder Herings- und Hochseefischerei AG, Unterscheidungssignal KRHV192,88 Registertonnen, Länge 39,18 m, Breite 6,45 m, Tiefe 3,28 m. 3fach Expansionsdampfmaschine, 320 Ps

Kapitän Georg Büschen

Steuermann Rud. Bojahr (Red. Bestmann ohne Patent)

1. Maschinist H. Stickler

2. Maschinist Carl Merker

Assistent Emil Lange

Heizer Fritz Wutzow

Netzmacher F. Nahrwold

Matrose Richard Richter

Matrose F. Hagemeier, Warber (vermutlichVater von Ernst Hagemeier)

Matrose August Pittke, Rusbend

Matrose W. Wesemann, Haselhorn

Koch Wilh. Wilke

Nach der Strandung irrte die Besatzung elf Tage an der Küste umher, ohne menschliche Siedlungen zu finden. Es sterben der Steuermann, der 1. Maschinist, der Matrose Wesemann. Die anderen erreichen am 30.1.1903 das Gehöft Ormstadur, von wo aus sie via Reykjavik nach Deutschland zurückkehrten. Die Matrosen Hagemeier und Pittke müssen wegen Erfrierungen in Reykjavik ärztlich behandelt werden. Dem Heizer Wutzo müssen beide Beine abgenommen werden.

Folgende Totalverluste von englischen und deutschen Fischdampfern wurden gemeldet :

Jahr   Englische   Deutsche

1900       27                 6

1901       21                 5

1902       17                 2

1903       12                 7

(Quelle Staatsarchiv Bremen, Seeamtssprüche)

Diesen dürren Text ergänzen hier einige Passagen aus den Mittheilungen des Deutschen Seefischervereins. B. XIX. Nr 5 Ausgabe Mai 1903

Die Strandung des Fischdampfers "Friedrich Albert" auf Island und das Schicksal seiner Mannschaft.

Von F. Duge. Hafenmeister Geestemünde.  

Am 14.1.1903 03.00 Uhr Abfahrt von Bremerhaven.

Am 18.1.1903 11.30 Uhr Beginn des Fischens mit dem Schleppnetz vor Portland (Südwestspitze von Island) in 90 Meter Tiefe. Wegen geringer Ausbeute sollte am Abend des folgenden Tages der Fangplatz bei Ingolfs Hoofde Hook weiter ostwärts aufgesucht werden. Bei ziemlich ruhigem Wetter kam der Dampfer auf der Wache des Bestmanns Bojahr gegen 21.45 Uhr fest. Durch die anrollenden Seen wurde das Schiff quer zum Strand geworfen. Die unteren Räume und die Maschine waren überflutet. An die Rettung des Schiffes war nicht zu denken. Die Besatzung rettete sich z.T. nur mit Unterzeug bekleidet an Land. Dort gelang es, noch einige Gegenstände und Proviant abzubergen. Um das feste Land zu erreichen, mußte der Marsch durch Sumpf, Lavasand und eiskaltes, stark strömendes Gletscherwasser angetreten werden. Nach zwei Tagen wurde dieser Versuch beendet, da man das feste Land nicht erreichen konnte. Es gelang am 23.1. nochmals vom Wrack zwei Tonnen Hartbrot und etwas Schmalz mit großer Mühe zu bergen. Wieder wurde bei nunmehr stürmischem Wetter ein Versuch unternommen, das Land zu erreichen.

Gegen 9.30 Uhr wurde ein großes Gewässer erreicht, das dem Marsch ein Ziel setzte. Es blieb nichts anderes übrig, als während der Nacht auf dem Eis und Schneefeld, auf dem man sich gerade befand, zu bleiben. Der aus etwas Hartbrot bestehende Proviant, der mitgenommen war, mußte vorsichtig verteilt werden. Jeder Mann bekam abends und morgens eine Handvoll. Die Nacht war furchtbar. Der Kapitän ließ die Leute bald dicht zusammentreten, um sich gegenseitig zu wärmen, bald Laufschritt machen und mußte fortwährend bedacht sein, daß nicht der eine oder andere zu lange saß, um Erfrieren zu verhüten. 

Am 25. Januar, morgens um 6 Uhr starb der Maschinist Stricker. Er hatte während der Nacht schon irre geredet und erlangte das Bewußtsein nicht wieder.

Während dieser Tage hatte sich die Gruppe geteilt. Dabei starb der Matrose Wesemann, im kalten Wasser stehend. Der Bestmann Bojahr ging nochmals auf das Wrack und verstarb dort.

Am 26. Januar morgens wurde die Wanderung zum Schiff wieder fortgesetzt. Der Rest des mitgeführten Proviants war verzehrt, die Füße verschiedener Leute so erfroren, daß sie kein Schuhzeug mehr tragen konnten, sondern die Füße mit Lappen bewickeln mußten...... Nach unsäglichen Mühen erreichte man um 6 Uhr abends die Strandungsstelle wieder....

Dort wurde aus Wrackteilen sogar noch eine Art Boot gebaut, mit dem man hoffte, die Gletscherströme überwinden zu können. Mit großer Mühe wurden der durch Lavasand und Schnee bedeckte Restproviant und einige Ausrüstungsgegenstände ausgegraben. Eine Art Schutzwand gegen den Wind und Schnee zu bauen schlug fehl, bzw. machte die Brandung bei Flut dieses Werk zunichte. Am 29. Januar Nachmittags um 3 Uhr stand man vor dem großen Fluss, der bisher den Wanderungen immer ein Ziel gesetzt hatte. Nahe der Mündung, wo er die geringste Breite hatte, wurde die Überfahrt mit dem Bootsschlitten unternommen, der zur Zeit 3 Mann befördern konnte und dann mittelst einer Leine wieder zurückgeholt wurde. Nach viermaliger Fahrt war um 5 einhalb Uhr nachmittags der Übergang des Flusses vollendet. Nun ging die Wanderung nach Norden den Bergen zu.......  Man fand ein Boot, das für die Nacht einen Unterschlupf bot.

Als am anderen Morgen, also am elften Tage nach der Strandung die Wanderung wieder angetreten werden sollte, waren allen Hände und Füße erfroren und geschwollen, und nur mit großer Energie und Mühe war es noch möglich, die Schmerzen zu verbeißen und vorwärts zu streben. Nach 2stündiger Wanderung fand man ein kleines Bauernhaus und zum Teil auf Händen und Knien krochen die Schiffbrüchigen demselben zu. Mit Erreichung desselben waren auch die Kräfte erschöpft.

Nicht genug kann die freudige Aufopferung gerühmt werden, mit der die offenbar sehr armen Leute die Schiffbrüchigen aufnahmen. Was nur an Erfrischungen aufzutreiben war, wurde ihnen gereicht. Die erfrorenen Glieder nahm der brave Bauer sofort in sachkundige Behandlung, indem er sie in kaltes Wasser stecken ließ und dieses in kurzen Zwischenräumen erneuerte. Diese Behandlung wurde stundenlang und auch noch in der nächsten Nacht fortgesetzt, wobei der Mann und seine Frau wachten und die Verwundeten pflegten. Kinder und Frauen schliefen auf dem Fußboden und ließen den Unglücklichen ihre Betten.

Am zweiten Tag abends kam der Amtmann und ein Arzt, der Notverbände anlegte. Am nächsten Tag wurden die Schiffbrüchigen nach dem kleinen Ort Breidabölsstad transportiert, wo sie zur weiteren Behandlung verblieben. Vom Ort Skaptefjeld, den sie alle am 1. Februar erreichten, traten die ersten vier Leute den Weg nach Reykjavik an. Die Reise ging auf Islandpferden und dauerte acht Tage. Die Heimreise ging über Stavanger und Hamburg nach Geestemünde, wo sie am 1. März eintrafen.

Bemerkungen zu den damals herrschenden Bedingungen:

Es gab keine verlässlichen Seekarten für die Gegend bei Portland. Ebenso gab es keine Angaben über die vorherrschenden Strömungsverhältnisse. Diese sind stark auflandig. Die Tiefe konnte nur mittels Handlot gemessen werden. Zur Zeit der Strandung war mäßiger Wind, der später fast durchgehend Sturmstärke erreichte und Schnee, Hagel und Lavasand mit sich führte. Das machte sich in Augen, Nasen und an den zahlreichen Verletzungen schmerzhaft bemerkbar. Wegen der Winterzeit herrschte nur für einige Stunden Tageslicht.

Dieser Artikel wurde mit freundlicher Genehmigung dem "Mitteilungsblatt der Seefunkkameradschaft e.V. Bremen" Ausgabe 4/2001, 48.Jahrgang entnommen.

 

FD FRIEDRICH ALBERT   Fischereinummer: PG 58
Schiffstyp: Fischdampfer BRT: 193 NRT: 66 PS: 320  Lü.a.: 39,18 m Breite: 6,45 m 

1898

Bonn & Mees, Rotterdam, Bau Nr. 112

Juni 1898

Stapellauf

3.August 1898

Probefahrt

1898 - 1903

Geestemünder Herings- und Hochseefischerei 
 19.01.1903 Island gestrandet und Wrack geworden 
 

Die Daten sind dem Buch "Die Deutsche Handelsmarine 1870-1979" von H.J. Abert entnommen

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