Deutsche Handelsmarine

MS ACHGELIS HUGO STINNES

Koholyt Handel & Schiffahrts GmbH & Co. KG.

 

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MS ACHGELIS HUGO STINNES

Koholyt Handel & Schiffahrts GmbH & Co. KG.

 

Sich mit dem Firmenimperium der Familie Stinnes zu beschäftigen, setzt immer auch gleichzeitig Kenntnis der Familiengeschichte voraus. In diesem Fall sei nur erwähnt, dass die beiden zerstrittenen Brüder Hugo und Otto Stinnes sich nach einer Reihe endloser Gerichtsverfahren und Prozesse 1959 in einem Vergleich trennten. Noch während die Brüder gemeinsam mit der Mutter in der Hugo Stinnes Brennstoff, Eisen- & Schiffahrt Gesellschaft beteiligt waren, gründete Hugo schon 1950 verschiedene Firmen, so auch die Hugo Stinnes Transozean Schiffahrts GmbH mit Sitz in Mühlheim/Ruhr. 16 Schiffe waren im Laufe der Jahre im Dienst der Reederei. Ein Teil von ihnen in der Linienfahrt nach Westafrika. Auf den Reisen, die über die großen Kontinentalhäfen führte, wurde Fracht für Dakar, Conakry, Freetown, Monrovia, Lomé, Cotonou, Lagos, Apapa, Douala, Libreville, Gentil sowie Pointe Noire geladen. Auf der Rückreise wurden im Wesentlichen Logs (Edelholz Baumstämme) mitgenommen, die man sich durch Jahreskontrakte gesichert hatte.

 

Sechs Schiffe ließ Hugo Stinnes jr. für die Afrikafahrt bauen, vier davon waren Schwestern, von denen zwei bei den Bremer Atlas-Werken GmbH und zwei von den Rheinstahl Nordseewerken GmbH, Emden gebaut wurden. Erstes Schiff dieser Serie war die im November 1960 übernommene KOHOLYT HUGO STINNES. Es folgte im Mai 1962 FELLA HUGO STINNES - beide Schiffe bei den Bremer Atlas-Werken gebaut, die auch bis 1964 zu dem Stinnes-Imperium gehörten. MAK HUGO STINNES folgte im September 1962 und ACHGELIS HUGO STINNES als letztes Schiff der Reederei im Januar 1963, beide in Emden bei der Rheinstahl Nordseewerke GmbH vom Stapel gelaufen.

 

Um nach außen den Besitzanspruch von Hugo Stinnes jr. zu verdeutlichen, wiesen neben einer MS HUGO STINNES sechs weitere Schiffe mit den Zunamen ACHGELIS, ATLAS, FELLA, KOHOLYT, MAK und NORA vor dem Namen HUGO STINNES auf Firmen innerhalb seiner Firmengruppe hin. Die sechs für die Afrikafahrt eingesetzten Schiffe waren sogenannte Quarterdecker. Dies war ein Schiffstyp mit einem erhöhten Hauptdeck von etwa mittschiffs bis achtern, dem Quarterdeck und einem halb vertieften Hauptdeck von mittschiffs bis zur Back, dem Welldeck. Man machte dies aus Vermessungsgründen, da die Luke auf dem Welldeck kein Zwischendeck besaß. Bei den Luken auf dem Quarterdeck wurden die Räume, die über dem Zwischendeck lagen, nicht mit vermessen. Bei älteren Binnenschiffen kann man es manchmal heute noch sehen. Gerade beim Laden der schweren Edelholzstämme (Logs) die bis an das Schiff geflößt wurden, kam das bordeigene Ladegeschirr zum Einsatz und wurde hart beansprucht.

 

Hugo Stinnes jr. agierte oft glücklos und musste alle seine Firmen Ende 1963  verkaufen. Was blieb waren weitere Millionensummen an Schulden, die durch seine Reederei noch vergrößert wurden. 1967 gründete er mit Hilfe von schweizer Kapitalgebern die Seibert Stinnes GmbH mit Sitz in Bremen. Hier brachte er drei Schiffe seiner Hugo Stinnes persönlich KG ein. Es waren dies KOHOLYT HUGO STINNES, MAK HUGO STINNES und ACHGELIS HUGO STINNES. Anfang 1971 war die Hugo Stinnes Transozean Schiffahrts GmbH zahlungsunfähig und die letzten drei Schiffe wurden an die Kette gelegt.

 

Text: Christian Biedekarken

 

MS ACHGELIS HUGO STINNES

Werft:  Rheinstahl Nordseewerke GmbH, Emden.  Bau Nr.: 341  Stapellauf am 31. Oktober 1962. Übergabe an Koholyt Hugo Stinnes persönl. KG, Kiel, am 16. Januar 1963 Heimathafen Bremen. 1964 Koholyt Handel & Schiffahrts GmbH & Co. KG. 1967 Seibert Stinnes GmbH. August 1971 neuer Name: ACHGELIS und im gleichen Jahr noch umbenannt in AQUILA I. 1973 Elounda Maritime Co. (Genaral Development & Shipping Enterprises), Famagusta / Zypern. 1975 Heimathafen Limassol. 1977 neuer Name: ELOUNDA. Elounda Maritime SA, Piräus / Griechenland. 1981 neuer Name: ANGELA. Marinetrade Co. Ltd., Piräus. 1982 neuer Name: ANDROMEDA Fiesta Maritima Co. SA (Jetwave Shipping Inc.), Piräus. 1984 neuer Name: AKITA Heimathafen Panama / Panama. 26. November 1984 an Gadani Beach zum Abbruch in Pakistan.

 

Technische Daten:

MS ACHGELIS HUGO STINNES war wie folgt vermessen:

Länge ü.a.: 101m im April 1970 Motoren Werke Bremerhaven verlängert: 110,51m  Breite: 14,48m Tiefg: 6,02m  BRT: 3118  NRT: 1485  tdw: 4100  Besatzung: 26  Passagiere:   Antrieb:  2 Mot. m. Getr. 4Te 6x385/580  Hersteller: MAK Masch. Bau Kiel GmbH  PS: 2840  Kn.: 12,5

 

Quellen:

Abert, H.-J.:"Die Deutsche Handels-Marine 1870-2000" Eigenverlag

Biedekarken, Ch.:private Aufzeichnungen

Detlefsen, G.U.: "Die Stinnes Reedereien" Verlag Gert Uwe Detlefsen

 

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