Deutsche Handelsmarine

MS ALIOTH, MS ALCYONE und MS ALCOR

Drei Schwestern der Argo Reederei, Bremen

 

Foto wegen unklarer Nutzungsrechte vorläufig entfernt.

                                                                                                                                                     Sammlung: Ch. Biedekarken

MS ALIOTH der Argo Reederei, Bremen

 

                         Zeichnung und ©: Karsten Kunibert Krüger-Kopiske

MS ALIOTH der Argo Reederei, Bremen

 

Welcher Seemann kannte sie nicht, "die ARGO". Eine der bedeutendsten Bremer Reedereien des 20. Jahrhunderts. Die Schiffe mit dem gelben Stern auf grünem Grund im Schornstein gehörten in die Bremer Hafenszenerie. Sie bewegten den Warenstrom zwischen dem Kontinent, England, den skandinavischen Ländern und dem Mittelmeer ab dem Bereich 32° nördlicher Breite, in dem das Sternbild "Schiff Argo" sichtbar ist. Dies symbolisiert wohl auch der "gelbe Stern". Der Bremer Reinhold Thiel und der Argo-Kapitänssohn Karsten Kunibert Krüger-Kopiske haben sich schriftlich und zeichnerisch der Geschichte der "Dampfschiffahrtsgesellschaft Argo AG", ab 1934 dann "Argo Reederei AG, Richard Adler & Söhne", angenommen. Mein kleiner Beitrag soll einigen dieser herrlichen Schiffe ein farbiges Denkmal in Form privater Fotografien setzen. In diesem Fall gilt meine Aufmerksamkeit den in den Jahren 1956/57 bei Fr. Lürssen, Bremen-Vegesack gebauten Schwestern MS ALIOTH (Stern im Großen Wagen), MS ALCYONE (hellster Stern im Sternenhaufen der Plejaden) und MS ALCOR (ebenfalls Stern im Großen Wagen).

 

 

 

                                                                                                                        Sammlung: Karsten Kunibert Krüger-Kopiske

MS ALCYONE der Argo Reederei, Bremen

der Schriftzug N.O.G. weist auf die Nah-Ost-Gemeinschaft, ein Zusammenschluss der

deutschen Levante-Reedereien Argo, H.Schuldt, Transmarin und Hamburg-Süd hin.

 

In ihrem äußeren Erscheinungsbild erinnern diese Schiffe an die ersten HANSA Neubauten der BÄRENFELS-Klasse von 1951. Maschine achtern, in der Großschiffahrt nur zögerlich angenommen, benötigte die Argo für ihr Fahrtgebiet eine möglichst große Ladefläche für sperriges Stückgut sowohl an Deck als auch in den Laderäumen. Von Havarien oder anderen bemerkenswerten Vorkommnissen lässt sich bei diesen drei Schiffen nichts Wesentliches berichten. Einzig MS ALCYONE sorgte nach einem Bericht des Hamburger Abendblattes im Dezember 1960 für Verschärfung der diplomatischen Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland. Mit 3000 t Erz und Stückgut befand sich das Schiff auf der Heimreise von Griechenland nach Hamburg, als es durch drei französische Kriegsschiffe zum Einlaufen in den algerischen Hafen von Mers-el-Kébir gezwungen wurde. Offenbar ging es um die Suche nach Gütern zur Unterstützung der algerischen Befreiunsfront FLN für den im November 1954 begonnenen Algerienaufstand. Wenig später konnte das Schiff seine Heimreise fortsetzen.

 

 

Foto wegen unklarer Nutzungsrechte vorläufig entfernt.

                                                                                                                                                     Sammlung: Ch. Biedekarken

MS ALCOR der Argo Reederei, Bremen

 

Bis in den Anfang der 70er Jahre blieben die drei Schiffe im Besitz der Argo und fuhren noch einige Jahre in Rückcharter. Mit der Rumpffarbe "levantegrau",  die sich zu Beginn der 60er Jahre dann aber in schwarz wandelte, liefen sie vom Stapel. Für mich waren sie in ihrem Erscheinungsbild und ihrer Länge ü.A. von 95m immer wie kleine Hansa-Schiffe. Ab den 70er Jahren gab es eine ständige Dezimierung der Flotte und auch das Argo-Haus in Bremen wurde 1989 verkauft. Die Geschäftsräume befanden sich nun in einem Gebäude in Bremen Am Wall. Von hier aus wurde das letzte Schiff MS ARNEB bereedert. Mit dem Konkurs im Jahre 2002 ging das  Schiff an einen britischen Reeder, der es als ATLANTIC OSPREY in Fahrt brachte. Nach 106 Jahren Reedereigeschichte wurde in Bremen auch die ARGO-Flagge gestrichen.

 

Christian Biedekarken

 

Foto wegen unklarer Nutzungsrechte vorläufig entfernt.

                                                                                                                                                     Sammlung: Ch. Biedekarken

MS ALCOR der Argo Reederei, Bremen

 

 

MS ALIOTH läuft am 24. Januar 1956 als Bau Nr. 12241 bei der Fr. Lürssen Werft, Bremen-Vegesack, vom Stapel. Am 12. Juni 1956 erfolgt die Ablieferung an die Argo Reederei Rich. Adler & Söhne, Bremen. Am 12. Mai 1971 an die Dinmaris Co. SA, Piraeus. Ein Namenswechsel findet nicht statt, da Rückcharter. 1973 an Kythira Shipping Co. Ltd. 1974 an Parthenon Cia. Naviera SA, Panama/Pan. 1975 an Kavala Maritime SA. 1976 an Ermomar Navigation Co. Ltd., Limassol. Neuer Name: ATTIKON. 1978 an Kyros Marine Co. Ltd., Limassol. Neuer Name: KYROS. 1982 an Kanafani Navigation Co. Ltd., Limassol. Neuer Name: KHALIL III. Juni 1984 an Arwad Island und aufgelegt. 26.September 1987 an Jeble zum Abbruch in Syrien.

 

MS ALIOTH war wie folgt vermessen:

Länge ü.A.: 95,00m  Breite: 13,60m Tiefg: 5,60m  BRT: 1803  NRT: 904  tdw: 3200  Besatzung: 22  Passagiere:    Antrieb: Ein Motor 4Te 10x400/600 Hersteller: MAN AG, Augsburg  PSe: 2100  Kn.: 12,5 

 

 

MS ALCYONE läuft am 4. August 1956 als Bau Nr. 12266 bei der Fr. Lürssen Werft, Bremen-Vegesack, vom Stapel. Am 29. November 1956 erfolgt die Ablieferung an die Argo Reederei Rich. Adler & Söhne, Bremen. Am 4. Juni 1973 Leros Maritime Enterprises Ltd., Famagusta. Ein Namenswechsel findet nicht statt, da Rückcharter. 1975 an Pokara  Navigationo Ltd., Limassol. 1979 an Kreon Shipping Co. Ltd., Panama Pan. Neuer Name: KREON, im gleichen Jahr erneut umbenannt in SERAFIM I. 22. Oktober vor Al Abdah von Piraten aufgebracht und durch Sprengung zum Sinken gebracht.

 

MS ALCYONE war wie folgt vermessen:

Länge ü.A.: 95,00m  Breite: 13,60m Tiefg: 5,60m  BRT: 1802  NRT: 903  tdw: 3320  Besatzung: 24  Passagiere:    Antrieb: Ein Motor 4Te 10x400/600 Hersteller: MAN AG, Augsburg  PSe: 2100  Kn.: 12,5 

 

 

MS ALCOR läuft am 15. Dezember 1956 als Bau Nr. 12267 bei der Fr. Lürssen Werft, Bremen-Vegesack, vom Stapel. Am 28. Juni 1957 erfolgt die Ablieferung an die Argo Reederei Rich. Adler & Söhne, Bremen. Am 1. März 1973 an St. Vincent Shipping Co. Ltd., Famagusta.  Ein Namenswechsel findet nicht statt, da Rückcharter. 1975 Heimathafen Limassol. 1978 an Starling Shipping Inc., Piraeus. November 1979 neuer Name: RIGEL und für die Rigel Shipping Co. SA, Panama/Pan registriert. 1981 neuer Name: MUNZUR. 1984 an Munzur Shipping Co. SA (Gitas Gemi Isletmeciligi Ticaret ve San AS). 1990 (Caferoglu Denizcilik ve Ticaret Ltd. Sirketi). Dezember 1993 an Dede Shipping Co. Ltd., Valletta. November 1993 neuer Name: DEDE C. 1997 (wie 1990) und neu vermessen, nun *2641/1644-3315. Ab 12. September 2006 Abbruch in Aliaga

 

MS ALCOR war wie folgt vermessen:

Länge ü.A.: 95,00m  Breite: 13,60m Tiefg: 5,60m  BRT: 1802  NRT: 903  tdw: 3320  Besatzung: 24  Passagiere:    Antrieb: Ein Motor 4Te 10x400/600 Hersteller: MAN AG, Augsburg  PSe: 2100  Kn.: 12,5 

 

Quellen:

Abert, H.-J.:"Die Deutsche Handels-Marine 1870-2000" Eigenverlag

Biedekarken, Ch.: private Aufzeichnungen

Krüger-Kopiske, Karsten K. "Die Schiffe der ARGO REEDEREI, Bremen" Elbe-Spree Verlag, Hamburg

Schwadtke, K.-H. "Deutschlands Handelsflotte 1958/59" Verlag Eckardt & Messtorf, Hamburg

 

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