Deutsche Handelsmarine

Die SAARLAND-Klasse

und ihre beiden vergrößerten Schwestern

 

 

MS Havelland,  HAPAG Lloyd International SA (HAPAG Lloyd AG) mit Heimathafen Hamburg; 

bereedert durch Mamenic Line, Nicaragua.

 

Mit MS SAARLAND kommt am 25. November 1957 das erste von fünf Schiffen, die die HAPAG bei der Deutschen Werft, Hamburg-Finkenwerder bestellt hat, zur Auslieferung. Es folgen am 11. März 1958 MS HAVELLAND, am 8. September 1959 MS VOGTLAND sowie am 30. Dezember 1959 MS RHEINLAND. 1957 weisen die Geschäftsbücher wieder einen Bestand von 41 Seeschiffen aus. Trotzdem reicht die zur Verfügung stehende Tonnage nicht, um das Ladungsaufkommen ohne Charterschiffe zu bewältigen. 1958 beträgt der Anteil an Chartertonnage noch 26%, was auf den notwendigen weiteren Ausbau der Flotte hinweist. Am 29. Dezember 1960 werden mit MS MÜNSTERLAND und am 27. April 1961 mit MS KULMERLAND zwei weitere Einheiten in die HAPAG Flotte eingereiht. Diese beiden Schiffe sind eine Vergrößerung der Saarland-Klasse und unterscheiden sich äußerlich sichtbar nur durch die erhöhte Poop. Bis 1962 lässt die HAPAG noch fünf weitere konventionelle Schiffe mit mittschiffs angeordneten Aufbauten und Maschine bauen. Mit MS Wolfsburg wird im April 1962 das letzte "Dreiinselschiff" für die HAPAG in Dienst gestellt.

 

Drei der vier kleineren Schiffe sind für den Kanada- und Nordamerika-Westküste-Dienst vorgesehen und werden auch dort eingesetzt. Einzig MS SAARLAND wird in den Westküste-Südamerika-Dienst eingebracht. MS MÜNSTERLAND und MS KULMERLAND sind für den Australiendienst vorgesehen. Am 7. Januar 1961 tritt MS MÜNSTERLAND seine Jungfernreise mit Ziel Australien an. Dieses Schiff hält bisher den Rekord für die längste Rundreise, die je ein Frachtschiff angetreten hat. Auf Heimreise von Australien kommend, gerät es am 5.6.1967 im Suezkanal zwischen die Fronten des gerade beginnenden "Sechs-Tage-Krieges" (Ägypten/ Israel). Da der Suezkanal durch versenkte Schiffe blockiert ist, muss MS MÜNSTERLAND im Großen-Bittersee vor Anker gehen. Am Tag der Fusion ist das Schiff noch immer dort aufgelegt und wird durch eine reduzierte Besatzung fahrbereit gehalten. Fast acht Jahre soll diese Reise dauern, die es mit weiteren 13 Schiffen dort verbringt. Erst am 7.5.1975 kann das Schiff mit eigener Kraft den Suezkanal verlassen und wird am 24.5.1975 nach einer Reisedauer von sieben Jahren, 11 Monaten und 2 Tagen von einer begeisterten Menschenmenge im Hamburger Hafen empfangen.

 

 

Hier wird demnächst ein Foto von Reinhard Nerlich, mit freundlicher Genehmigung des Schiffahrtsverlag Voß, eingebunden sein.

 

MS Münsterland,  HAPAG  Hamburg-Amerika Linie , Hamburg

 

Mit der Fusion von HAPAG und NDL am 01.01.1970 zur Hapag-Lloyd AG gehen auch diese sechs Schiffe in den Besitz der neu gegründeten Schiffahrtslinie über. Im Oktober 1959 gelingt MS HAVELLAND die Rettung von fünf überlebenden Seeleuten des in der Karibik explodierten Kümos LUZ MARINA. MS SAARLAND geht im Dezember 1974 an die HAPAG Lloyd International SA mit Heimathafen Hamburg. Am 11. August 1977 verkauft an Cia. Naviera Panafranca SA, Pansma, Panama. Neuer Name: FRANCA. November 1983 Ankunft Port Alaing/Indien zum Abwracken. MS HAVELLAND wird am 4. August 1977 an die Cia. Naviera Panadaniela SA, Panama, verkauft. Neuer Name: DANIELA. Am 13. Februar 1983 Ankunft Gadani Beach zum Abbruch durch Fahad Ltd. in Karachi. MS VOGTLAND wird am 22. August 1977 an die Jutha Maritime Co. Ltd., Bangkog, Thailand, verkauft. Neuer Name: JUTHA RAJATA. am 23. Januar 1985 Übergabe in Hongkong zum Abbruch an South China Sea Shipping Enterprise Co. Ltd. MS RHEINLAND geht am 11. August ebenfalls an die Jutha Maritime Co. Ltd., Bangkog, Thailand. Neuer Name: JUTHA KARNCHANA. Am 16. Dezember 1983 erreicht das Schiff Bangkok. Noch im gleichen Monat wird bei Siam Bros. Marine Co. in Samut Prokarn/Bangkok mit dem Abbruch begonnen. MS MÜNSTERLAND wird 1975 nach Ankunft in Hamburg auf der Lloyd-Werft in Bremerhaven von Grund auf überholt, um dann im Ostasiendienst eingesetzt zu werden. Schon am 21. Juni 1978 wird das Schiff an die Sea Azure Cia. Naviera SA (Sea Traders SA), Piraeus, Griechenland verkauft. Neuer Name: MUNSTERLANDES. Am 2. Januar 1983 Ankunft in Trinconmalee und aufgelegt. 17. November von hier im Schlepp zunächst an Kaohsiung zum Abbruch, jedoch im Dezember weiter an China Resources Metals & Minerals Co. Ltd. und im März 1984 Beginn bei Fujian Ship Breaking Yard. MS KULMERLAND geht am 8. August 1971 an die Cia. Nacional de Navegacao S. a. r. l., Lissabon, Portugal. Neuer Name: MANICA. Im Juni 1984 in Lissabon aufgelegt. Ende 1986/Anfang 1987 Abbruch dortselbst.

 

Text: Christian Biedekarken

 

                                                                                                                                           Foto und Copyright: Karl H. Struve

MS Kulmerland,  HAPAG  Hamburg-Amerika Linie , Hamburg

 

MS SAARLAND war wie folgt vermessen: L.ü.A: 152,17m  Breite: 18,75m  BRT: 8797  NRT: 5186  tdw: 10820  Besatzung: 49  Passagiere: 12   Antrieb: ein   8-Zyl.-Zweitaktdiesel MAN K8Z78/140C,  9000 PSe, 17,5kn 

 

MS MÜNSTERLAND war wie folgt vermessen: L.ü.A: 157,15m  Breite: 19,20m  BRT: 9365  NRT: 5485  tdw: 11282  Besatzung: 51  Passagiere: 12   Antrieb: ein   8-Zyl.-Zweitaktdiesel MAN K8Z78/155C,  10.000 PSe, 18,0kn 

 

Quellen:  

Abert, H.-J. "Die deutsche Handelsmarine 1870-2000" Selbstverlag, Ratzeburg

Detlefsen, Gert Uwe "Unter fremder Flagge" Verlag Gert Uwe Detlefsen, Bad Segeberg, 2003

Kludas, Arnold "Hapag-Lloyd die ersten 25 Jahre" Verlag Gert Uwe Detlefsen, Bad Segeberg, 1994

Krüger-Kopiske, Karsten K. "Die Schiffe von Hapag-Lloyd" Koehlers Verlagsgesellschaft mbH, Hamburg 2003

 

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