Deutsche Handelsmarine

Die TANNSTEIN-Klasse des 

Norddeutschen Lloyd, Bremen

 

 

MS BREITENSTEIN,  NORDDEUTSCHER LLOYD, Bremen 

 

                                                                                     Zeichnung und ©: Karsten Kunibert Krüger-Kopiske

MS Breitenstein, Norddeutscher Lloyd, Bremen

Von ihren Vorgängern Tannstein und Torstein unterschieden sich Birkenstein, Bischofstein und Breitenstein - äußerlich sichtbar -

nur unerheblich.Neben der Verlängerung des Abgasrohres gab es einen Unterschied in den Aufbauten. An Stb., VK Bootsdeck,

wurde die Kammer für den Kapitän erweitert. Ebenso an Bb., die Kammer des I.Offz.

In den Zeichnungen von KKKK ist das sehr gut zu erkennen.

 

1955 werden die ersten drei Schiffe der TANNSTEIN-Klasse vom Bremer Vulkan an den NDL übergeben. Die Schiffe sind bei fast gleichen Abmessungen eine verbesserte Version der BRANDENSTEIN-Klasse, die der Bremer Vulkan 1952/53 gemeinsam mit MS BIEBERSTEIN und MS BÄRENSTEIN abliefert. Der MS TANNSTEIN, die am 20.Juli 1955 abgeliefert wird, folgt am 25.August MS TORSTEIN und am 08.Dezember MS BIRKENSTEIN. Durch nicht ausgeglichene Verbindlichkeiten im Ausland sieht sich der NDL genötigt, die Roland-Linie Schiffahrtsgesellschaft mbH und Orlanda-Reederei GmbH wieder aufleben zu lassen. Beide Reedereien dienen als Bauträger und Käufer der Frachter, um sich einer Beschlagnahme von Schiffen, zum Ausgleich der Schulden, zu entziehen.

 

 

 

MS TORSTEIN,  NORDDEUTSCHER LLOYD, Bremen 

Einlaufen nach Sonnenaufgang in Fremantle WA am 17. Januar 1970.

 

                                                                                   Zeichnung und ©: Karsten Kunibert Krüger-Kopiske

MS Torstein, Norddeutscher Lloyd, Bremen

Auf der Zeichnung deutlich zu erkennen, der offene Durchgang VK Bootsdeck.

 

Die günstige Entwicklung des deutschen Außenhandels war maßgebend für die Wiedereinrichtung der einzelnen Liniendienste nach dem Krieg. Hatte man schon vor dem Krieg Gemeinschaftsdienste mit der HAPAG begonnen, so konnte man jetzt, durch Einbringung von fünf Schiffen der TANNSTEIN-Klasse in den gemeinsamen Nordatlantikdienst, wöchentliche Abfahrten nach New York, Philadelphia, Baltimore, Norfolk und Newport News anbieten. Sowohl in TANNSTEIN als auch in TORSTEIN lässt der NDL aus Kostengründen Antriebsmaschinen aus Restbeständen der Danziger Werft einbauen. Mit 14,5 Kn erweisen sich diese Schiffe aber als zu langsam.

 

 

 

MS BIRKENSTEIN,  HAPAG-LLOYD AG, Hamburg

 

 

 

MS KOTA BERANI ex BIRKENSTEIN,  Pacific International Lines, Singapur 

 

Sie werden im Südamerika-Westküste-Dienst eingesetzt. TANNSTEIN und TORSTEIN sind noch bis zum Jahr 1959 für die Roland-Linie Schiffahrtsgesellschaft mbH eingetragen. Das gleiche gilt auch für BIRKENSTEIN, die allerdings für die Orlanda-Reederei GmbH in den Büchern stand. Erst mit Übernahme des NDL werden die Schornsteine im traditionellen Lloydgelb gestrichen. Schon bei BIRKENSTEIN entscheidet man sich einen 8-Zyl.Diesel von MAN-Vulkan mit 9000 PSe als Antriebsmaschine einzubauen, der dem Schiff eine Geschwindigkeit von 17,5 Kn erlaubt. 1962 erhalten TANNSTEIN und TORSTEIN bei den Howaldtswerke, Hamburg, jeweils einen 8-Zyl Diesel von MAN mit 8480 Pse, der den Schiffen eine Geschwindigkeit von nun 17 Kn verleiht.

 

Mit MS BREITENSTEIN, die am 07.Januar 1956 und MS BISCHOFSTEIN, die am 04. Februar 1956, an die Orlanda-Reederei GmbH  abgeliefert werden, sind nun fünf Schiffe dieses Typs im Einsatz.  Die folgenden drei Schiffe dieser Serie werden mit MS BLANKENSTEIN (am 30.August 1956) als letztem Schiff dieser Gruppe, an die Orlanda-Reederei GmbH sowie MS BARTENSTEIN (am 04.Oktober 1956) an NDL und MS BODENSTEIN (am 29.Dezember 1956) ebenso an NDL abgeliefert. Sie erhalten eine verlängerte Back und sind, als Volldecker vermessen, bei gleichen Abmessungen größer als ihre Vorgänger. 

 

 

 

MS BARTENSTEIN mit der verlängerten Back. HAPAG Lloyd International SA

(HAPAG Lloyd AG) mit Heimathafen Bremen, bereedert durch Mamenic Line, Nicaragua.

 

                                                                                   Zeichnung und ©: Karsten Kunibert Krüger-Kopiske

MS Bartenstein, Hapag-Lloyd AG, Bremen

 Blankenstein, Bartenstein und  Bodenstein waren die letzten Schiffe dieser Klasse. Sie erhielten bei gleicher

L.ü.A. eine verlängerte Back und damit eine Vergrößerung der Luke I.

 

Mit der Fusion gehen alle acht Schiffe am 01.September 1970 in den Besitz der HAPAG-LLOYD AG, Hamburg/Bremen über. Mit zunehmender Containerisierung werden die Schiffe in unterschiedlichen Fahrtgebieten eingesetzt. TORSTEIN und TANNSTEIN werden 1972 veräußert. 1976 folgen BREITENSTEIN und BISCHOFSTEIN. BIRKENSTEIN, BLANKENSTEIN, BARTENSTEIN und BODENSTEIN werden 1977 verkauft. Erst 1986 werden die letzten Schiffe dieser Klasse abgebrochen. 

 

 

MS BARTENSTEIN  HAPAG Lloyd International SA (Hapag Lloyd AG)

mit Heimathafen Bremen, bereedert durch Mamenic Line, Nicaragua.

 

MS Bartenstein lief in der Nacht vom 1. zum 2. April 1975 in der südlichen Einfahrt zur Bucht von San Juan del Sur (Nicaragua) auf einen Felsen. Durch einen ca. 5m langen Riß am Unterwasserschiff in Höhe der Luken 1 und 2 drang Wasser in das Schiff und setzte die Luken bis zum Spardeck (das oberste Zwischendeck) unter Wasser. Vermutlich entstand durch aufquellende Ladung  ein Leck zu Luke 3, die ebenfalls bis zum Spardeck vollief. Beim darauffolgenden Hochwasser gelang es dem Schiff, mit eigener Kraft frei zu kommen. Jedoch reichte die Kapazität der bordeigenen Mittel bei weitem nicht aus, das Wasser abzupumpen. So entschied man sich, MS BARTENSTEIN am 4. April mit Schlepperhilfe auf den weichen Strand vor San Juan del Sur zu setzen. Das Schiff wurde später abgeborgen und repariert. Zum Zeitpunkt der Havarie fuhr das Schiff für HAPAG Lloyd International SA (HAPAG Lloyd AG) mit Heimathafen Bremen; bereedert durch Mamenic Line, Nicaragua. Auf dem Foto ist ein erheblicher Wasserstrahl bei Luke 2 zu erkennen.

 

 

 

MS BARTENSTEIN,  HAPAG-LLOYD AG, Hamburg

hier vor Kapstadt auf Reede ankernd

 

Es sei hier noch erwähnt, dass MS BREITENSTEIN unter dem Kommando von Kapitän W. Hanuschke im Jahre 1974 in zwei Seenotfällen sechs Menschen aus Seenot gerettet hat. Am 30. April 1974 um 10.28 Uhr sichtet der Jungmann Wolfgang Krahn während seiner Wache als Ausguck auf der Kommandobrücke auf Position 45 Grad 1' Nord und 12 Grad 20' West  eine aufgeblasene Rettungsinsel. Bei Wind aus West-Nordwest Stärke 7, und grober bis sehr grober See sowie Dünung, wird die Rettungsinsel an Lee genommen und die Schiffbrüchigen über ausgebrachte Netze und Leitern geborgen. Bei den Geretteten handelt es sich um vier Männer: James Laing (New Zealand) Eigner und Skipper, Eirwyn Trefor Williams (British), John Neville Jones (British) und Peter Frederik Brackenbury (British). Alle vier Personen waren an Bord des in Beaumaris beheimateten Segelkatamarans "HOKU-PAA" der sich auf der Reise von Milford Haven nach Bridgetown/Barbados befand. Alle Geretteten waren in gesundheitlich gutem Zustand und wurden in Punta Delgado auf der Azoreninsel Sao Miguel dem dortigen britischen Konsul übergeben. Am 27.November 1974 wird auf MS BREITENSTEIN unterwegs von San Josè nach Balboa (Wesküste-Südamerika) der Notruf "Mayday" klar und laut gehört. Es wird in Erfahrung gebracht, dass es sich um die in Los Angeles beheimatete Yacht "Desiree" die östlich von Punta Burica mit fünf Personen an Bord auf ein Riff gelaufen ist, handelt. MS BREITENSTEIN nimmt mit 15 Kn Kurs auf den Havaristen. Als man die Unfallstelle erreicht, wird das Motorrettungsboot an Stb. Seite klar gemacht und mit 10 Mann besetzt. Unter schwierigsten Umständen und großem körperlichem Einsatz der Rettungsbootmannschaft gelingt es an die "Desiree" heranzukommen. Nach Verständigung mit dem Skipper werden zwei weibliche Personen abgeborgen. Der Eigner will mit zwei Mann an Bord bleiben. Der inzwischen ebenfalls zur Hilfe eilenden MS POLAR ARGENTINA der Hamburg-Süd, werden später die beiden Frauen übergeben, und sie nach Pto. Armuelles zurückzubringen. Während man das Rettungsboot und Besatzung ohne Schaden an Bord nimmt, kann man auf BREITENSTEIN beobachten, dass die "Desiree" inzwischen freigekommen ist. Offenbar haben die immer stärker werdenden Brecher die Yacht über die Untiefe hinweggespült. MS BREITENSTEIN konnte seine Reise fortsetzen.

 

Text: Christian Biedekarken

 

 

MS PANTERA ex BISCHOFSTEIN,  Mediterranean Shipping Co., Panama 

 

MS Tannstein und Torstein sind wie folgt vermessen: L.ü.A: 151,81  Breite: 18,44 Tiefg.:  7.57  BRT: 5572  NRT: 3192  tdw: 8310  Besatzung: 43  Passagiere: 6   Antrieb: Ein  2Te Dieselmotor MAN G7Z  52/70 Hersteller: Danziger Werft (Bauj. 1939) Zusätzl.: 4-Takt Dieselmotor 6-Zylinder 45/66 Hersteller: Bremer Vulkan  PSe: 4800  Kn.: 14,5  1962 erhalten beide Schiffe eine neue Maschine: MAN 8 Zylinder K8Z 70/120 PSe: 8480  Kn.: 17,5

 

MS Birkenstein ist wie folgt vermessen: L.ü.A: 151,81  Breite: 18,44 Tiefg.:  7.57  BRT: 5798  NRT: 3350  tdw: 7950  Besatzung: 43  Passagiere: 6   Antrieb: Ein  2Te Dieselmotor MAN G8Z  78/140 Hersteller: Bauwerft  PSe: 9000  Kn.: 17,5

 

 

Quellen:

Abert, H.-J.:"Die Deutsche Handels-Marine 1870-2000" Eigenverlag

Kludas, Arnold "Hapag-Lloyd Die ersten 25 Jahre" Verlag Gert Uwe Detlefsen

Kludas, Arnold "Die Seeschiffe des Norddeutschen Lloyd 1929-1970" Köhlers Verlagsgesellschaft mbH, Herford

Krüger-Kopiske, Karsten Kunibert "Die Schiffe von Hapag-Lloyd" Köhlers Verlagsgesellschaft mbH, Hamburg

 

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