Deutsche Handelsmarine

7 Schnellfrachter der HAPAG

für den Ostasiendienst

 

 

MS WESTFALIA   Hapag-Lloyd AG, Hamburg / Bremen

                    

1953 nimmt die HAPAG zusammen mit dem Norddeutschen Lloyd wieder einen Gemeinschaftsdienst nach Ostasien auf. Als erstes Schiff bringt der NDL die TS WESERSTEIN in diesen Dienst ein, die HAPAG folgt mit der TS BRAUNSCHWEIG. Mittelpunkt dieses Dienstes waren aber die 1952 beim Bremer Vulkan, Vegesack, in Auftrag gegebenen sechs Kombi-Schiffe. Jede Reederei hatte drei Schiffe bestellt, die außer Fracht auch noch 12 Passagiere mitnehmen konnten. Die Schiffe erfreuten sich großer Beliebtheit, reichten aber in ihrer Ladekapazität für den zunehmenden Fernosthandel nicht mehr aus.

 

 

MS WESTFALIA   Hapag-Lloyd AG, Hamburg / Bremen

 

Diese Schiffe galt es Anfang der 60er Jahre zu ersetzen, und so gab die HAPAG 1963 sieben neue Schnellfrachter von je ca. 12.000 tdw in Auftrag. Durch das Konzept des Schnellfrachters, die Schiffe waren für eine Geschwindigkeit von 21 kn ausgelegt,  erhoffte sich die Reederei eine bessere Wirtschaftlichkeit, da die reinen Fahrtzeiten verkürzt werden konnten. Der Auftrag ging an die Blohm + Voss AG, Hamburg, die das erste Schiff die MS WESTFALIA am 17.12.1964 an die HAPAG ablieferte.

 

 

MS HAMMONIA   Hapag-Lloyd AG, Hamburg / Bremen

 

Es folgten am 15.05.1965 die MS HAMMONIA, am 14.08.1965 die MS ALEMANNIA, am 04.12.1965 die MS BORUSSIA, deren Rumpf als Unterauftrag bei J. Boel et fils in Tamise, Belgien, gebaut wurde um den vorgesehenen Ablieferungstermin einhalten zu können. Am 14.05.1966 kam MS BAVARIA, am 15.10.1966 MS HOLSATIA und am 13.03.1967 als letztes Schiff dieser Klasse MS THURINGIA in Fahrt. Es war das 50. Schiff, das nach dem D CROATIA im Jahre 1888 bei Blohm + Voss in Hamburg für die HAPAG gebaut worden war. Nebenbei sei erwähnt, dass der D CROATIA mit der Bau-Nr. 60 erst im Jahre 1961 als türkische DUMLUPINAR abgewrackt wurde. Alle sieben Schiffe der "IA-Klasse" hatten ein 80-t Stülcken Schwergutgeschirr,  MS THURINGIA aber als einzige einen ausgeprägten Wulstbug.

 

 

MS HAMMONIA   Hapag-Lloyd AG, Hamburg / Bremen

 

Das Konzept, das hinter der Idee der Schnellfrachter stand, war sicherlich richtig, obwohl es durch die oft schleppende Abfertigung und lange Liegezeiten in den asiatischen Häfen immer wieder durchkreuzt wurde. Zudem zeichnete sich als die MS THURINGIA in das Fahrtgebiet kam, schon die Containerisierung auf der Ostasieroute ab. Mit der Fusion von HAPAG und NDL am 01.09.1970 wurden alle sieben Schiffe in das neue Unternehmen HAPAG-LLOYD AG, Hamburg, eingebracht. Noch vor der Fusion gab die HAPAG bei Blohm + Voss in Hamburg und der NDL beim Bremer Vulkan in Vegesack den Auftrag zur Planung und Ausführung eines total neuen Schiffstyp (für den es bis dahin noch kein Vorbild gab) ab. 1972/73 kommen vier neue Ostasien-Containerschiffe für die HAPAG-LLOYD AG in Fahrt. Die sieben Schnellfrachter bekommen als sogenannte Semi-Containerschiffe nun jene Fahrtgebiete zugewiesen, in denen sich die Containerisierung erst in kleinen Schritten durchsetzt. Bis in die Mitte der 80er Jahre können sich die Schiffe noch wirtschaftlich erfolgreich durchsetzen.

 

 

MS HAMMONIA der Hapag-Lloyd AG, Hamburg / Bremen

Many thanks to Patrick Hill  http://www.quaysides.co.uk/

 

 

MS BOLIVIA ex ALEMANNIA der Lineas Navieras Bolivianas (LINABOL), La Paz, Bolivien,

einer Hapag-Lloyd-Tochter.

Hier in den 80er Jahren vor Anker auf dem Rio Guayas mit dem Zielhafen Guayaquil.

 

Im Dezember 1977 geht die MS WESTFALIA an die HAPAG-LLOYD International SA, Panama, ist aber weiterhin unter deutscher Flagge mit Heimathafen Hamburg registriert. Es folgt 1978 MS HOLSATIA, dann 1979 MS HAMMONIA, MS ALEMANNIA, MS BAVARIA und 1980 MS BORUSSIA. Auch diese fünf Schiffe gehen an die HAPAG-LLOYD International SA, Panama, bleiben aber weiterhin unter deutscher Flagge in Hamburg registriert. 1982 wird MS THURINGIA an die Thuringia Carriers Pte, Singapur verkauft und für drei Jahre zurückgechartert. MS WESTFALIA, MS ALEMANNIA und MS BAVARIA werden 1986 abgewrackt. MS HAMMONIA, MS BORUSSIA, MS HOLSATIA und MS THURINGIA folgen 1987 ihren Schwestern.

 

Text: Christian Biedekarken

 

 

MS THURINGIA   Hoche View Ltd., Hong Kong. Unter britischer Flagge - aber in H-L Farben.

Hier am 03.03.1986 an den Docks in Hull, auf dem gefrorenen Humber liegend. Sehr gut auf

dem Foto zu erkennen, der Ansatz eines Wulstbugs

Many thanks to Patrick Hill  http://www.quaysides.co.uk/

 

 

Foto wegen unklarer Nutzungsrechte vorläufig entfernt.

 

MS ALEMANNIA der Hamburg-Amerika Linie, Hamburg

Der Ringelsöckchen-Schornstein wurde ja nach der Fusion mit dem NDL zunächst noch beibehalten.

 

Foto wegen unklarer Nutzungsrechte vorläufig entfernt.

 

MS ALEMANNIA der Hamburg-Amerika Linie, Hamburg

Hier in der Farbgebung der HAPAG, mit gelben Masten und Bäumen

 

 

MS BORUSSIA der Hapag-Lloyd AG, Hamburg / Bremen

 

 

MS BORUSSIA der Hapag-Lloyd AG, Hamburg / Bremen

Auslaufen Hamburg

 

 

MS BORUSSIA der Hapag-Lloyd AG, Hamburg / Bremen

Auslaufen Hamburg

 

Die Investitionssumme der sieben Ostasien- sowie der zehn Westindienfrachter - betrug damals 293 Millionen DM. Der Bund gab 11,3 Millionen DM als Zuschuss. Ein insgesamt nicht unerheblicher Beitrag zur Sicherung der Arbeitsplätze in der deutschen Schiffbauindustrie.

 

MS WESTFALIA als Typschiff war wie folgt vermessen:

Länge ü.A.: 164,31m  Breite: 22m Tiefg: 9,76m  BRT: 10919  NRT: 6813  tdw: 12644  Besatzung: 56  Passagiere: 12  Antrieb: 1 Mot. 2Te 9x860/1600  Hersteller: MAN AG, Augsburg  PS: 18900  Kn.: 21

 

Quelle:

Abert, H.-J.:"Die Deutsche Handels-Marine 1870-2000" Eigenverlag

Kludas / Bischoff: "Die Schiffe der Hamburg-Amerika Linie" Köhlers Verlagsgesellschaft mbH, Herford

Biedekarken: Eigene Aufzeichnungen

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