Das Potsdamer Abkommen, seine Auswirkungen für die deutsche Handelsflotte und Hochseefischerei

von Werner H. Wurth


Schon im sogenannten "Potsdamer Abkommen" im August 1945 wurde die vollständige Auflösung der deutschen Kriegs- und Handelsflotte von den Siegermächten beschlossen. Ziemlich konsequent wurde das vorerst nur in der damaligen sowjetischen Besatzungszone durchgeführt. Alle Schiffe ohne Tonnagelimit konnten davon betroffen sein und von den Westmächten wurden hauptsächlich modernere Schiffe über 500 BRT - auch an Staaten wie Norwegen, Holland, Belgien als Ersatz vergeben.

Es sollten von den Deutschen selbst jedoch noch die Schifffahrtswege (spätere "Zwangswege") minenfrei geräumt und auch im Weg liegende Wracks beseitigt werden. Für diese Aufgabe beließ man ex Kriegsmarine-Räumboote und Minensucher im unbewaffneten Zustand mit der deutschen Ex-Besatzung an der Küste.

Es zeigte sich aber bald, dass das Potsdamer Abkommen in dieser Form nicht aufrecht zu erhalten war, da die Versorgung der Bevölkerung einfach nicht möglich war.

So wurde im August 1947 das Abkommen zum ersten mal gelockert. Es durften beschädigte und gesunkene Schiffe wieder repariert werden - die Werften bekamen wieder Arbeit und durften wieder Neubauten auf Stapel legen, allerdings mit den Beschränkungen : nur mit Dampfmaschine, Speed höchstens 10 Kn, kleiner als 1500 BRT, Länge maximal 100 Fuß.

Die damaligen Werften waren trickreich und arbeiteten bei der Länge mit Überhängen, mit dem "Schutzdecker"-Trick und allen möglichen Verschleierungen. Am 26. November 1949 lief in Hamburg der erste Nachkriegsbau, die "Brook" für H.M. Gehrckens vom Stapel, die bald wieder in der Ostsee unterwegs war. Die nächste Lockerung erfolgte 1949 durch das "Washingtoner Abkommen. Die Baugröße wurde auf 7000 BRT erhöht und der Ankauf von auch größerer Second-Hand-Tonnage aus dem Ausland erlaubt. Es war dies die Zeit, als Rickmers seine erste "Mai Rickmers" aus England kaufte, Fritzen mit alten Dampfern in die Erzfahrt ging, Oldendorff sein damaliges Sammelsurium an Dampfern sammelte. Es zeigte sich zum ersten mal wieder Licht am Horizont der deutschen Seefahrt, die Fischerei war als Nahrungsmittellieferant auch wieder im vollen Aufbau und die Handelsschiffsreeder warteten in der Trampfahrt wieder auf die Erlaubnis zum Linienverkehr.

Schließlich wurden im Jahre 1951 alle Beschränkungen im Westen vollständig aufgehoben, der Maschinentelegraph konnte wieder auf "Voll voraus" gestellt werden und die goldenen Jahre der deutschen Schifffahrt und des Schiffsbaus begannen....

Interessant ist auch, dass die Schiffe damals noch eine Kontrollnummer der alliierten Kommission am Bug führten, das Setzen einer deutschen Nationalflagge war noch nicht erlaubt und als Ersatz musste die Flagge "C"-Charlie des internationalen Flaggenalphabets geführt werden. Viele Kümo-Kapitäne führten damals als Protest gar keine Flaggen oder an irgendeiner beliebigen Stelle versteckt, obwohl das Heck vorgeschrieben war. An der Gaffel wollte das Ding keiner fahren !!

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