Nachtrag zu zwei Schiffsunfällen in der deutschen Hochseefischerei

Die Beschreibung der Strandung der "FRIEDRICH ALBERT" sowie des Untergangs der "N.EBELING"  umfassen ungefähr den Zeitraum, in dem 83 (dreiundachtzig!) Verluste deutscher Fischdampfer in der Island-Fischerei registriert wurden. Über 1200 Seeleute haben vor der isländischen Küste ihr z.T. sehr junges Leben gelassen. Hinzu kommen noch unzählige Fälle, bei denen Fischer tödlich verunglückten oder bei Sturm aussenbords gespült wurden und nicht wieder geborgen werden konnten.

Der Bericht über "FRIEDRICH ALBERT" zeigt, zu welch  übermenschlichen Leistungen Menschen bei vorbildlicher Führung fähig sind. Exemplarisch ist dieser Bericht auch dafür, mit wieviel selbstloser Hilfsbereitschaft und Liebe die Isländer den Schiffbrüchigen zu Hilfe kamen und unter großen Opfern ihre weitere Versorgung und Rückführung betrieben. Diese Selbstlosigkeit wird überhaupt nicht dadurch geschmälert, dass in allen bekannt gewordenen Fällen die Reedereien Entschädigungen zahlten. Im Notfall setzten die armen Bauern ihre eigene schmale Existenzgrundlage aufs Spiel.

Seit der Einführung des Seefunks konnte immer wieder festgestellt werden, daß private und amtliche Stellen alle Möglichkeiten unternahmen, um Menschenleben zu retten. Selbst wenn es wegen der orkanartigen Stürme wenig Hoffnung auf Rettung gab.

In einem Buch - 1908 herausgekommen - mit dem Titel "Die deutsche Hochseefischerei in der Nordsee"  ist zum Thema Frischfischfang vor Island folgendes beschrieben:

"Wehe der Schiffsbesatzung, die gezwungen ist in dieser menschenleeren Einöde ihre Rettung suchen zu müssen! Bei der Einschiffung nach Island soll jedem Mann an Bord daher eine vom Reichsmarineamt herausgegebene Anweisung eingehändigt werden, aus der ersichtlich ist, wie man sich im Fall eines Schiffbruchs zu verhalten hat. Auf Skeidararsandr, der dem Skeidarar-Jökull vorgelagerten Küste, hat ein menschenfreundlicher Isländer, der deutsche Konsul in Reykjavik, Herr D. Thomsen,(auf eigene Kosten) eine Schutzhütte errichten lassen, in der Schiffbrüchige Obdach und Zuflucht finden können, um imstande zu sein, sich von dort aus mit bewohnten Orten in Verbindung zu setzen.

Die leuchtend rotgemalte Hütte, die sich, von allen Richtungen sichtbar, auf einer hohen Düne erhebt, enthält Schlafstetten für 14 Mann, Proviant, Arzneimittel, Werkzeug, Materialien, ein Segeltuchboot, Kompaß, Karte, Bekleidungsgegenstände, Schlitten, Zelte, Petroleumkocher, Petroleum, Raketen und Laternen. Aber der Weg für eine schiffbrüchige Mannschaft von der vielleicht ein paar Dutzend Kilometer entfernten Strandungsstelle nach diesem Häuschen ist fürchterlich. Der ganze Skeidararsandr nämlich ist nicht etwa zu bezeichnen als ein von Gletscherbächen durchschnittenes Sandgelände, sondern eher als ein unbestimmtes Gemisch von Wasser und Sand, in dem bald der eine, bald der andere Bestandteil überwiegt".

Am 18.Februar 1906 strandete bei Ingolfshöfdi der FD WÜRTTEMBERG der Deutschen Dampffischerei Gesellschaft, "Nordsee", Nordenham. Alle Besatzungsmitglieder erreichten, wenn auch stark erschöpft, wohlbehalten die Schutzhütte und gelangten von dort nach Reykjavik.

 

Projektgruppe Gedenkstein in Vik auf Island im Arbeitskreis "Geschichte der deutschen Hochseefischerei"

c/o Deutsches Schiffahrtsmuseum Bremerhaven, Hans-Scharoun-Platz 1, 27568 Bremerhaven 

 

 

Das Kapitel Hochseefischerei ist in der deutschen Wirtschaft im Wesentlichen abgeschlossen. Deshalb hat sich 1997 ein ,,Arbeitskreis Geschichte der deutschen Hochseefischerei" gebildet. Dieser Arbeitskreis, der vom Deutschen Schiffahrtsmuseum in Bremerhaven wissenschaftlich betreut wird, will dazu beitragen, die mit der Hochseefischerei verbundenen Erinnerungen zu sammeln, zu bewahren und aufzuarbeiten. Innerhalb des Arbeitskreises "Geschichte der Hochseefischerei" des Deutschen Schiffahrtsmuseums gibt es eine Gruppe, die sich zum Ziel gesetzt hat, an der Südwestküste Islands, bei dem Ort Vik (Portland) auf dem Gelände des dortigen isländischen Fischereimuseums ein Denkmal zu errichten. Ein großer Findling, der eine Bronzeplatte tragen wird, ist bereits durch die Arbeitsgruppe beschafft worden, wobei die Kosten von DM 800,- durch die Gruppe selbst aufgebracht wurden. Dieses für Island fremde Gestein - Granit - soll umgeben werden von auf Island naturgewachsenen sechseckigen Basaltsäulen. Das Fremde, die fremden Seeleute, werden aufgenommen in den Kreis der Isländer. Durch den Stein soll der Seeleute gedacht werden, die in der Islandfahrt auf deutschen Fischereifahrzeugen ihr Leben verloren. Und er soll den Dank ausdrücken, den wir den Isländern schulden, weil sie durch ihre Hilfe unzähligen Seeleuten das Leben retteten, sie umsorgten und auch die angeschwemmten Toten bestatteten.

Die Gedenkstätte soll auch zum Ausdruck bringen, dass die Auseinandersetzungen um die Fischgründe Islands Vergangenheit sind und ein freundschaftliches Verhältnis zwischen Island und Deutschland besteht. Die Gesamtkosten dieser Stiftung einschließlich der Folgekosten werden auf rund DM 100.000 geschätzt. Aus Island ist die Zusage eingegangen, Basaltstelen zu liefern, die das Gemeinschaftliche dieses Denkmals bezeugen sollen. Das Denkmal soll im Jahre 2002 anläßlich des 50jährigen Bestehens der Deutschen Botschaft eingeweiht werden. Die Unterstützung aus Island ist gesichert. Die Vorstellung des Objektes rief dort Rührung und große Begeisterung hervor.

Diese Idee wird durch die Projektgruppe Gedenkstein in Vik auf Island umgesetzt, der Dr. Werner Beckmann, Margret Grobe, Theodor Herrmann, Werner Klatt, Richard Neu, Hilda Peters, Jens Rösemann und Hans Wölbing angehören.

Siehe dazu: Gedenkstein auf Island eingeweiht 

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