Gedenkstätte in Vik an der  Südküste Islands eingeweiht

Pressemitteilung der Projektgruppe Gedenkstein in Vik auf Island

 

Am Sonntag, dem 15. September 2002 wurde in Vik an der Südküste Islands eine Gedenkstätte eingeweiht, die an die rund 1000 Seeleute erinnert, die auf deutschen Fischereischiffen in der Islandfahrt ihr Leben verloren. Gleichzeitig wird den Isländern gedankt, die viele Schiffbrüchige unter schwierigsten Bedingungen retteten und versorgten. Dazu sind Bronzetafeln in deutscher und isländischer Sprache auf einem aus dem Landkreis Cuxhaven stammenden Findling aus hellem Granit angebracht. Der Findling ist umgeben von dunkelgrauen isländischen Basaltsäulen - die Aufnahme des "Gefundenen" in Island als Ausdruck für die Freundschaft zwischen den Völkern.

Die Realisierung des Projektes oblag einer Gruppe des Arbeitskreises "Geschichte der deutschen Hochseefischerei" am Deutschen Schiffahrtsmuseum in Bremerhaven in Kooperation mit der Deutsch-Isländischen Gesellschaft Bremerhaven-Bremen e.V.. Der isländische Konsul des Landes Bremen, Herr Reinhard Meiners, und der deutsche Botschafter in Reykjavik, Dr. Hendrik Dane, unterstützten die Projektumsetzung maßgeblich. Das große Interesse der isländischen Gemeinde Vik und die tatkräftige Mitarbeit des dortigen Museums Brydebud ermöglichten eine zügige Fertigstellung der Gedenkstätte.

Die Finanzierung des Projektes wurde sichergestellt durch Spenden von Privatpersonen und der Fischwirtschaft und durch Fördermittel der Robert-Bosch-Stiftung Stuttgart sowie anderen kulturellen Einrichtungen.

Die Eröffnungszeremonie fand bei den Isländern reges Interesse. Über zweihundert Isländer, darunter der isländische Fischereiminister und die Bürgermeister verschiedener Gemeinden, und die 26köpfige deutsche Delegation hörten die Eröffnungsrede des isländischen Parlamentspräsidenten Halldor Blöndal und die Ansprachen von Dr. Dane, dem deutschen Botschafter, von Bürgermeister Sveinn Palsson aus Vik, Hilda Peters und Kapitän Wolfgang Gewiese. Die Predigt des Pastors Haraldur M.Kristjansson und der Gesang eines Psalmes mit dem Frauenchor aus Vik beendeten die von Thorsteinn Baldurson geleitete feierliche Einweihung der Gedenkstätte.

Die Stadt Bremerhaven und die Stadt Cuxhaven sandten Grußadressen an Bürgermeister Sveinn Palsson.

Parlamentspräsident Blöndal lud die deutsche Gruppe zu einem Abendessen in das Hotel in dem berühmten Thingvellir ein.

                                                                                                                                   Foto: Hans Wölbing

Auf dem Findling sind Schrifttafeln in Bronze mit folgendem Texte in deutscher und isländischer Sprache angebracht:

ZUM GEDENKEN AN DIE SEELEUTE, DIE IN DER DEUTSCHEN ISLANDFISCHEREI IHR LEBEN VERLOREN

DEN ISLÄNDERN, DIE VIELE SCHIFFBRÜCHIGE RETTETEN, IN DANKBARKEIT UND HOCHACHTUNG

Ein sinkender Fischdampfer auf einer Bronzetafel weist auf die Schiffsverluste hin.

Reisebericht

Am Freitag, dem 13. September, machte sich eine Gruppe von 24 Personen von Bremerhaven aus auf zu einer Reise nach Island. Es waren Mitglieder der Projektgruppe, die das Denkmal geplant und dessen Umsetzung durchgeführt hatten. Außerdem waren Angehörige von vermißten und verunglückten deutschen Fischern dabei. Die Projektgruppe setzte sich zusammen aus einem Fischdampferkapitän, einem Fischdampferfunker, einem Fischdampfermatrosen, zwei Fischerei-Kaufleuten, einer ehemaligen Stewardess des Forschungsschiffes "Polarstern" sowie einem Meeresbiologen. Alle mittlerweile entweder im Ruhestand oder in anderen Berufen tätig. Angesichts dessen, dass dieses Projekt, dessen Gelingen von vielen angezweifelt worden war, waren die Mitglieder hochgestimmt. Die vielfältigen Bemühungen hatten sich gelohnt. Und sie waren auf eine sehr positive Einstellung in Fischhandel, Industrie und sonstigen maritimen Vereinen und Verbindungen gestoßen. Auch bei ehemaligen Fischern und deren Angehörigen gab es bewundernswerte Bereitschaft zum Spenden. Man muß hier an das biblische Wort von dem Scherflein der Witwe erinnern. Allen Spendern sind wir zu großem Dank verpflichtet. Zeigt sich doch hier, daß die Seeleute und ihre isländischen Retter und Helfer nicht vergessen sind.

Am Sonntag, dem 15.September 2002, versammelten sich Isländer und Deutsche in Vik, um im Angesicht der See, auf der viele deutsche Fischdampfer gefischt und wo viele unserer Kameraden ihr Leben gelassen haben, das Denkmal einzuweihen. Bei der Feierlichkeit hielt der isländische Parlamentspräsident, Halldor Blöndal, eine herzliche Ansprache, in der er auf das Gewicht des sieben Tonnen schweren Steins anspricht und meint, dass die Freundschaft zwischen beiden Völkern schwerer wiegt. Ebenfalls sprach der deutsche Botschafter in Reykjavik, Dr Hendrik Dahne, der deutsche Fischdampferkapitän Gewiese und der Pfarrer von Vik. Der Berichterstatter, der an der Mitreise verhindert war, kann nur mittelbar von den Eindrücken der deutschen Gruppe berichten. Aber er stellte eine große Begeisterung der Reisenden bei ihrer Ankunft in Bremerhaven fest. Sie konnten nicht genug die gute Aufnahme in Island loben. Die Einladungen des Parlamentspräsidenten, des deutschen Botschafters und die übrigen Erlebnisse werden ihnen allen in schönster Erinnerung bleiben.

Für alle Angehörige von vermissten oder getöteten Fischern wird es eine Genugtuung sein, nun einen Ort zu wissen, wo ihrer Lieben gedacht wird. Denn deren Grab ist der weite Nordatlantik. 

 

Jens Rösemann

An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bei meinen Sammlerfreunden der 1250er Szene bedanken, die meiner schriftlichen Bitte um eine Spende zugunsten "Vik" nachgekommen sind. Nicht zu vergessen die Spender, die sich an der Versteigerung des von mir gestifteten FD JOHANNES KRÜSS beteiligt sowie die Besucher meiner Homepage, die auf das von mir angegebene Konto eingezahlt haben.

Christian Biedekarken

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