Das letzte Modell der B/V Werft

FMS RENDSBURG, der Gemeinwirtschaftlichen Hochseefischerei GmbH, Bremerhaven

Alle Fotos: Ch. Biedekarken

 

RENDSBURG Stb.Seite

Die "Rendsburg", das letzte B/V Modell   (Maßstab 1:50)

1997 reifte in mir der Entschluss, als Krönung meiner über 30jährigen Modellbauerlaufbahn, ein Großmodell zu bauen. 1982 hatte ich mit dem Chemikalientanker BUTT (im M 1:1250) das erste Schiff mit einem aus Metall geätzten Laufsteg gebaut. Damit war diese Technik in dem Maßstab eingeführt. Eine weitere Steigerung sah ich für mich nicht mehr und wollte mit dem Bau eines Großmodells den modellbauerischen Schlusspunkt setzen. Es taten sich ungeahnte Probleme auf. Das größte Problem war, wohin damit. Es sollte ein angemessener Platz sein, aber auf keinen Fall den Raum bestimmen. Zudem sollte es unter Glas geschützt sein, aber in eine Wand integriert werden. Ich entschied mich für eine Bücherwand in deren oberer Hälfte auf Grund der vorgegebenen Wandlänge zwei Großmodelle passten. Die Bücherwand wurde gebaut und 1995 mit dem Modell des dänischen Segelschulschiffes DANMARK im M 1:75 bestückt. Einem Bausatz des dänischen Herstellers Billing Boats, der von dem Modellbauer Manfred Zinke für mich aufgebaut wurde. Dieses Schiff sollte eine Erinnerung an eine wunderschöne Zeit in Dänemark, aber auch an meine eigene Segelschiffs- und Fahrenszeit sein. 

Für die zweite Vitrine hatte ich mich nun für den Bau eines Fischdampfers entschieden. Damit konnte ich meine Begeisterung für die deutsche Hochseefischerei zum Ausdruck bringen. Baupläne hatte ich genug, als ich in einem Katalog der Firma Harhaus die Polyester-Rumpfschale des Fischdampfers RENDSBURG entdeckte. Es war der fertige Rumpf, der mich lockte, dieses Schiff zu bauen. Damit war ich zeitlich entlastet, da der Bau des Rumpfes so manche Abend- und Nachtstunden benötigt hätte. Nachdem der Rumpf, und ein kompletter Zeichnungssatz bei mir ankamen, war ich sehr positiv von der guten Qualität überrascht. Es fiel jetzt auch die Entscheidung für ein Standmodell und damit der Einsatz von Metall zur Fertigung der Einzelteile, mit Ausnahme der Aufbauten. Den Ausbau des Rumpfes übernahm mein Freund, Dr.Hans Ulrich Eulner, der im Groß- wie im Kleinmodellbau der beste Modellbauer ist, den ich kenne. Seit seiner Jugend baut er die schönsten Modelle in einer meisterhaften Ausführung. Alle Teile, von den Masten über die Winden bis zu den Bulleyes, wurden aus Messing gefertigt, bei deren Herstellung mir eine junge Feinmechanikerin zur Seite stand. Die Aufbauten wurden auf Spanten gearbeitet und die Decks mit geätztem Messingblech abgedeckt. 

RENDSBURG im Rohbau

Die "Rendsburg" im Rohbau

Als das Modell im Rohbau fertig war, musste ich mich um meine Gesundheit kümmern, und das Projekt kam zum Erliegen. 1998 nahm mein Freund Uli das Schiff in seine Werft, um es zu takeln und zu vervollständigen. 1999 machte er mir das getakelte Schiff zum Geburtstagsgeschenk. 

Anlieferung der RENDSBURG

Das getakelte Schiff als Geburtstagsgeschenk

Die Freude war riesengroß, nun blieben für mich "nur" noch die Spachtel- und Schleifarbeiten sowie die Bemalung des Schiffes. Gesundheitlich angeschlagen, fand ich keinen Zugang mehr zu dem Schiff. Inzwischen hatte ich mich umorientiert und mein Interesse ganz meinem Bild-und Textarchiv "Die Deutsche Hochseefischerei" gewidmet. Zudem plante ich den Aufbau einer eigenen Homepage, die ich dann auch im Oktober 2001 ins Internet stellte. Auf der Werkbank im Keller stand ein trauriges, verlassenes Schiffsmodell. Ein erneuter gesundheitlicher Rückschlag im Februar d.J. ließ eine Fertigstellung in weite Ferne rücken. Eigentlich suchte ich irgendjemand, der sich dieses Modells annahm. Die seelische Trennung hatte schon längst stattgefunden. 

RENDSBURG im Keller

Auf der Werkbank im Keller stand ein trauriges, verlassenes Schiffsmodell

Im Mai gab es dann einige schöne Tage und alle Nachbarn arbeiteten in ihren Gärten, das durfte ich aus Genesungsgründen nicht, aber ich konnte die Hände nicht in den Schoß legen. Als der nächste Tag sich wieder so herrlich anließ, stand ich plötzlich im Keller vor meinem Schiff und eh ich mich versah, hatte ich den Rumpf unter dem Arm, ging mit ihm in den Garten und brachte die erste rote Farbschicht auf. Plötzlich war der alte Schwung wieder da, und nun ging es Schlag auf Schlag. Vier Wochen habe ich wie ein Besessener an der Fertigstellung des Modells gearbeitet. Jeden Tag wurde mein Schiff vollständiger und mit jeder Stunde wuchs die Begeisterung. 

Mit altem Schwung

Plötzlich war der alte Schwung wieder da

Blick in die Werft

Vier Wochen habe ich wie ein Besessener an der Fertigstellung des Modells gearbeitet

Zu meinem Geburtstag im Juni sollte es endlich auf dem vorgesehenen Platz stehen. Ich habe es geschafft, und mein Modellbauerherz schlägt höher, wenn ich vor die Vitrine trete, um mich am Anblick des Fischdampfermodells der RENDSBURG zu erfreuen. Fünf Jahre liegen zwischen Baubeginn und Fertigstellung und ich danke meinem Freund Uli, der nicht aufgegeben hat, mich immer wieder zu fragen: "was macht das Schiff?" Jetzt kann ich antworten: "Uli es ist fertig, wann machen wir Probefahrt?"

Christian Biedekarken

In der Vitrine

Zu meinem Geburtstag im Juni sollte das Schiff auf seinem  Platz stehen

 

RENDSBURG Ansicht Stb.Seite, schräg von vorne

Die "RENDSBURG" wartet auf die Probefahrt 

(Die Aufnahmen von diesem Ereignis werden hier veröffentlicht)

 

So könnte es ausgesehen haben, wenn die "RENDSBURG" nachts in den Hafen einlief

RENDSBURG bei Nacht, achterlich

 

RENDSBURG bei Nacht, vorderlich

FMS RENDSBURG Trawler Kennung: SO 110    SK110

Schiffstyp: Fischdampfer BRT: 516 NRT: 173 PS: 1205 L.ü.a.: 57,83 m Breite: 8,63 m Tiefg.: 4,85 m

1950  

Lübecker Flenderwerke AG, Lübeck  Bau Nr.411

24.08.1950  

Stapellauf

25.11.1950  

Probefahrt

1950  

Gemeinwirtschaftliche Hochseefischerei GmbH, Kiel

19?  

Gemeinwirtschaftliche Hochseefischerei GmbH, Bremerhaven

1968  

IV. Quartal Abbruch in D

Die Daten sind dem Buch "Die Deutsche Handelsmarine 1870-1979" von H.J. Abert entnommen

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