Wo bitte liegt NEPTUN ?
von Ch. Biedekarken
Fotos: Jürgen Wittmaack

Während des Zweiten Weltkriegs wurden z.T. in den von Deutschland besetzten Ländern Schiffe für deutsche Auftraggeber gebaut. So kam es auch, dass auf der norwegischen Werft Nylands Verkstad in Oslo, 1941 ein Seeschlepper unter der Bau Nr. 364 für die Kriegsmarine vom Stapel lief. Am 16. März 1943 wurde das Schiff unter dem Namen KUREFJORD an die deutsche Kriegsmarine abgeliefert. Nach Ende des Krieges, mit Datum vom 22. Oktober 1946, wurde das Schiff zur Beute erklärt und von der OMGUS (Office of Military Government for Germany of the United States) verwaltet. Schifffahrt war in Deutschland verboten, und so kämpfte auch der Norddeutsche Lloyd in Bremen um das nackte Überleben. In ganz kleinem Umfang versuchte man mit verbliebenen Schleppern das Bugsiergeschäft in den Häfen Bremen, Bremerhaven und Hamburg aufrecht zu erhalten. Es gelang der Geschäftsführung, 7 Schlepper von der OMGUS zu chartern, unter denen sich auch die KUREFJORD befand, die ab Februar 1947 unter Beibehaltung des Namens die Flotte verstärkte. Im März 1954 kaufte der NDL das Schiff, um es weiterhin in den drei Sparten Seeschiffassistenz, Leichter- und Überseeverschleppungen einzusetzen. Fünf Jahre später im März 1959 verkauft man das Schiff an die noch junge Bundesmarine. Hier wird es am 20.Dezember 1959 als Erprobungsboot "FRIEDRICH VOGE" (in der Literatur auch fälschlicherweise als FRIEDRICH VÖGE bezeichnet) durch das Kommando der Flottenbasis in Dienst gestellt. Friedrich Voge war Marine-Oberstabsingenieur der Kaiserlichen Marine, der sich mit der Konstruktion von Seeminen einen Namen gemacht hatte. 1960 wurde der Umbau bei der Norderwerft in Hamburg vollzogen. Auf dem achteren Teil des Hauptdecks wurden die Schleppeinrichtungen ausgebaut, um darauf eine Hütte zu errichten. Bedingt durch die Veränderung der Brückenaufbauten wurden die Beiboote einschließlich der Davits ausgebaut und durch Flöße und Rettungsinseln ersetzt. Am Heck wurde eine Schleppschwinge montiert. Der Einbau eines modernen, konischen Schornsteins für den veralteten rohrartigen Dampferschornstein war der Abschluss der wesentlichen äußerlich sichtbaren Veränderungen. Das Schiff war grau gestrichen, trug aber seine PT-Nummer Y803 nicht. Später wurde das traditionelle Namensschild FRIEDRICH VOGE in Höhe der Brückenaufbauten durch die PT-Nummer Y888 ersetzt und das Schiff dem Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung, Erprobungsstelle 71, unterstellt. Im September 1987 wurde das Schiff ausgemustert und verkauft.

Nach 44 Jahren verschwindet die Spur dieses Schiffes. Es taucht in den Unterlagen als "NEPTUN" auf. Meistens sorgen in solchen Fällen sichtbare bauliche Veränderungen sowie die vielfältigen europäischen wie außereuropäischen Gewässer dafür, dass man Schiffe dieser Art aus dem Blickfeld verliert. Es ist ein Zufall, solche Veteranen in unveränderter Form wieder vor die Kamera zu bekommen. 1994 erregte ein Schiff in Playa de Castillo auf Fuerteventura erhebliches Aufsehen, da es den Traditionsschornstein der HAPAG trug. Bei näherer Betrachtung stellte sich schnell heraus, dass es die FRIEDRICH VOGE ex KUREFJORD war, die da vor uns lag. Ihr äußeres Erscheinungsbild war unverändert nur in der Farbgebung hatte es sich als ein Paradiesvogel herausgeputzt. Leider ließ es der Wasserstand nicht zu, das Schiff mit Rumpf zu fotografieren. Kontakt zu den Eignern konnte nicht aufgenommen werden. Bei Betrachtung der Fotos lässt sich ermessen, mit wieviel Liebe zum Detail das Schiff in Farbe gehalten wird. Wenn es viele Jahre ein schlichtes graues Kleid getragen hat, dann wurde es zu dem Zeitpunkt der Aufnahmen mit einem bunten Kleid "belohnt". Etwas missverständlich ist die Beschriftung des Heckspiegels. Allgemein üblich ist, den Namen des Schiffes über den Heimathafen zu setzen. Dann wäre in diesem Fall der Schiffsname "Düsseldorf" und der Heimathafen "Neptun". Wo bitte liegt Neptun? Da das Schiff die deutsche Flagge führt, müsste der Ort in Deutschland liegen. Widersprüchlich wäre dann aber auch die nicht zu übersehende Beschriftung der Brücke mit "Neptun". Düsseldorf wiederum ist als eine Metropole der Malerei bekannt. Ist der Eigner vielleicht ein Künstler und sein Schiff ein Kunstwerk? Wie dem auch sei. Drei farbige Fotos von 1994 sorgen dafür, dass dieses Schiff nicht ganz in Vergessenheit gerät. Hat die Geschichte dieses Schiffes damit ein Ende, oder kann sie jemand weiterführen?

 

Ein Schornstein mit Tradition und trotzdem kein HAPAG Schiff

NEPTUN mit HAPAG-Schornstein?

Eine Lady zur See ..........

NEPTUN, ein Paradiesvogel

........... ein Paradiesvogel der Meere.

Wo bitte liegt NEPTUN ?

Wo liegt Neptun ?

Schiffstyp: Seeschlepper BRT: 178   NRT: 54   PSe: 500   Lü.a.: 33,20 m   Breite: 6,72 m 

5.12.1941

Baubeginn, Nylands Verkstad, Oslo  Bau Nr. 364

16.3.1943 

Stapellauf

1.7.1943 

Übergabe als KUREFJORD an KM

Feb.1947

an NDL Bremen, keine Namensänderung, von OMGUS gechartert, 

März 1954

Ankauf durch NDL, Bremen

März 1959

verkauft an Bundesmarine
 20.12.1959  in Dienst gestellt als FRIEDRICH VOGE  Y803
1960 an Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung, Erprobungsstelle 71, Y888
Sept. 1987 verkauft an privaten Eigner
  weitere Daten nicht bekannt

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